D’flade – die öffentlich-rechtliche Schule des Katholischen Konfessionsteils St.Gallen – ist nicht nur sehr beliebt, sondern steht ebenso für einen hohen Bildungserfolg. Und doch muss sie sich auch beweisen. In der Mittagsstunde des 16. Septembers waren Politikerinnen und Politiker von Stadt und Kanton St.Gallen sowie weitere Gäste des öffentlichen Lebens eingeladen, sich von den Vorzügen der flade zu überzeugen. Referierende stellten ihre positiven Erfahrungen, Gedanken und Bezüge zur Schule dar – ganz im Sinne des Mottos: «D’flade bringts».
Warum braucht es die flade auch in Zukunft? Die Antworten darauf sind vielseitig, wie sich an einem Informationsanlass im Innenhof der Buebeflade zeigte. Zu den Votanten gehörten nebst der Schulpräsidentin Barbara Hächler und Administrationsratspräsident Armin Bossart auch externe Persönlichkeiten, für die die flade eine bewährte Institution darstellt – darunter Boris Tschirky, Kantonsrat und Gemeindepräsident von Gaiserwald; Kuno Schedler, Professor an der Universität St.Gallen; Manuela Ronzani, Stadtparlamentarierin. Veranstaltet wurde der Mittagsanlass vor dem Hintergrund der anstehenden Revision des Volksschulgesetzes, welche den öffentlich-rechtlichen Status der flade in Frage stellt.
Flade als beste Zeit des Lebens
«Ich verstehe nicht, was hier aktuell abläuft», brachte Kuno Schedler sein Empfinden auf den Punkt. «Bleiben wir pragmatisch und zerschlagen wir nichts, das funktioniert und von Schülerinnen und Schülern freiwillig gewählt wird.» Seine Tochter habe ihm im Hinblick auf seinen heutigen Auftritt gesagt, dass ihre flade-Zeit die beste Zeit ihres Lebens war. Gottseidank habe man in dieser Phase auch nicht das Gerangel zwischen Buben und Mädchen gehabt. Gemäss Bundesgerichtsurteil im Fall des Kathi Wil verstösst geschlechtergetrennter Unterricht jedoch gegen die Verfassung. Für Schedler unverständlich.
Auch Kantonsrat Boris Tschirky kann über dieses Urteil nur den Kopf schütteln. Folglich habe seine Partei, Die Mitte, zusammen mit der SVP eine Motion lanciert, die nun den geschlechtergetrennten Unterricht in der Kantonsverfassung verankern wolle. Auch im Hinblick auf die Revision des Volksschulgesetzes versicherte er: «Die Mitte steht hinter der flade.» Langsam wachse auch in anderen Politkreisen die Erkenntnis, dass es ungeschickt wäre, hier etwas am Bildungsplatz St.Gallen zu ändern.
Würde bei der Revision des Volksschulgesetzes der flade der öffentlich-rechtliche Status entzogen, könnte dies das Ende einer tiefverwurzelten Geschichte einleiten, so Administrationsratspräsident Armin Bossart. Nebst der Sorge sei man aber voller Vertrauen, dass die Politik Bewährtes nicht ohne Not zerschlage. Es wäre daher das erste Mal, dass der Kanton den öffentlich-rechtlichen Status einer anerkannten Religionsgemeinschaft aberkennen und verlangen würde, dass sich die Kirche ins Private zurückziehen muss.
Entlastung für städtisches Schulsystem
Manuela Ronzani rief nicht nur die Geschichte der flade inklusive deren Öffnung für Realschülerinnen und -schüler in Erinnerung, sie sprach auch von einer Institution, welche das städtische Schulsystem in erheblichem Umfang entlastet. «Ohne flade stünde die Stadt vor akuten Kapazitäts- und Kostenproblemen», so Ronzani.
Viel Sympathie gegenüber der Schule und ihren Eigenheiten bekundeten überdies die ehemalige Schülerin Josianne Schär und der heutige Schüler Sascha Heeb. Er könne dank der flade nicht nur inmitten des UNESCO-Weltkulturerbes zur Schule, sondern schätze auch das gemeinsame Leben von christlichen Werten, sagte Sascha Heeb. Josianne Schär knüpfte an und unterstrich ihr gesteigertes Selbstwertgefühl, das sie einerseits den gelebten Werten, andererseits dem Unterricht in einer reinen Mädchenklasse verdanke. Beide hoffen, dass die flade mit der Möglichkeit von geschlechtergetrenntem Unterricht noch eine lange Zukunft hat.
Schulpräsidentin Barbara Hächler zeigte sich erfreut über die vielen positiven Stimmen. «Sie untermauern den hohen Stellenwert der flade in der St.Galler Bildungslandschaft», bilanzierte sie überzeugt.
Text und Bilder: Roger Fuchs
«D’flade bringts» – Gemeinsam für eine über 200-jährige Schule einstehen







